Der ehemalige Chefarzt am Kantonsspital Baselland Brudeholz Prof. M.E. Müller war massgeblich an der Entwicklung der Kunstgelenke beteiligt und so hat diese Operation an unserem Spital gewissermassen Tradition. Bei uns werden heute jährlich über 400 Hüftprothesen und über 300 Knieprothesen implantiert. Auf dem Markt existieren die verschiedensten Modelle künstlicher Hüftgelenke. Welches Modell für Sie am besten geeignet ist, hängt vom biologischen Alter, vom Geschlecht, vom Körpergewicht, von der Knochenqualität, der Knochenform und dem Ausmass der Arthrose ab.

 

Die Hüfttotalprothese setzt sich aus Pfanne, Kopf und Schaft zusammen. Schaft und Pfanne bestehen in der Regel aus Metall (Titan, Stahl oder Chrom-Kobalt-Legierung), der Kopf aus Metall oder Keramik. Die Pfanne besitzt zudem eine Kunststoffeinlage aus hochmolekularem Polyethylen.

Abbildung 1. Teile einer Hüfttotalprothese (mit freundlicher Genehminung von Mathys)

Abbidlung 2. Eingesetzte Hüfttotalprothese (mit freundlicher Genehminung von Mathys)

 

Zur Verankerung von Pfanne und Schaft kommen grundsätzlich zwei Möglichkeiten in Frage, zementiert und unzementiert. Die Pfanne ist in der Regel selbstverankernd und wird unzementiert eingebracht. Gelegentlich werden zur Verankerung zusätzlich Schrauben verwendet. Nur in seltenen Fällen wird die Pfanne mit Knochenzement einzementiert. Falls möglich implantieren wir eine zementfreie Pfanne, die RM Vitamys Pfanne. Die Vorteile dieser Pfanne sind 

  • Isoelastizität (gleiche Elastizität wie der Knochen)

  • dadurch langfristig Knochenerhalt 

  • Vermeidung von rückseitigem Verschleiss (backside wear), da die Pfanne aus einem Stück besteht

  • extrem geringe Abriebrate durch ein hochvernetztes Polyethylen

  • Stabilisiert mit Vit E, welches langfristig eine Oxidations- und Alterungsbeständigkeit erwarten lässt
     

Wir implantieren meistens einen Keramikkopf. Die Vorteile eines Keramikkopfes sind

  • hervorragende Bruchfestigkeit

  • geringeres Risiko von postoperativen Kopfbrüchen

  • ähnliche Bruchfestigkeit und Verschleißraten vor und nach der beschleunigter Alterung

Der Schaft wird entweder zementfrei fest im Kochen verklemmt oder zementiert. Welche Fixationsmethode des Prothesenschaftes für Sie persönlich die bessere ist, entscheiden wir anhand ihres biologischen Alters und der knöchernen Situation gemäss dem Röntgenbild. Bei osteoporotischem Knochen wird mit der Zementierung eine höhere Primärstabilität und ein geringeres intraoperatives Frakturrisiko erzielt. Aktuell verwenden wir beim primären Gelenkersatz, wenn wir uns für eine zementfreie Fixation entscheiden, entweder den Kurzschaft Optimys oder den Geradschaft TwinSys. Die Vorteile des Kurzschaftes Optimys sind ein

  • grösstmöglicher Knochenerhalt

  • ideale Rekonstruktion der individuellen Anatomie

  • sehr gute Primärstabilität und reduziertes Risiko von Absinkungen

  • schnellere Sekundärstabilität aufgrund verbesserter Osseointegration

  • eignet sich perfekt für einen minimal invasiven Zugang
     

Wenn wir den Schaft zementieren (ältere Patienten mit Osteoporose), verwenden wir den zementierten TwinSys Schaft oder den Müller Geradschaft. 

Ein Oberflächenersatz des Hüftgelenkes wird an unserer Klinik nicht durchgeführt. Die bisherigen Ergebnisse dieses Operationsverfahrens sind gemäss den skandinavischen und australischen Prothesenregistern, in denen jedes implantierte Hüftgelenk dokumentiert und verfolgt wird, schlechter als die konventionellen Hüftprothesen mit einer Schaftprothese. Zudem ist die Implantation einer Oberflächenersatzprothese nicht über einen muskelschonenden Zugang möglich.

 

Liegen besondere anatomische Verhältnisse vor, z.B. bei einer Hüftgelenksdysplasie, oder bei vermindertem knöchernem Prothesenlager, z.B. im Rahmen einer Prothesenwechseloperation, so kann manchmal keine Standardprothese implantiert werden. Ist dies der Fall, dann stehen uns alle auf dem Markt erhältlichen Prothesen zur Verfügung, um das individuelle Problem bestmöglichst zu lösen und in jedem Fall eine optimal stabile und gut funktionierende Hüfttotalprothese zu implantieren. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit über 150 Wechseloperationen pro Jahr sind wir in der Schweiz eine der Kliniken mit der grössten Erfahrung bei Hüftprothesenwechseln.

Metall- oder Zementallergien sind extrem selten. Sollten bei Ihnen Allergien bekannt sein, bitten wir Sie um Mitteilung.

Die Operation

Für die Operation werden die grösstmöglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Wichtig ist eine keimfreie, hochsterile Arbeitsweise, damit das Risiko einer Infektion minimiert wird. Der Eingriff findet in einem Operationssaal mit spezieller Belüftung (laminar flow) statt. Das Operationsteam trägt eine  sterile Operationskleidung sowie zwei Paar Handschuhe. 

Die Operation dauert in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten. Bei der Operation achten wir auf eine muskelschonende Operationstechnik. Die Schonung der Hüftgelenksmuskulatur hat neben der exakten Positionierung von Pfanne und Schaft höchste Priorität. 

 

Entfernen der erkrankten Bereiche

 

Der Zugang zum Hüftgelenk erfolgt durch einen Hautschnitt im oberen Bereich des Oberschenkels. Um zum erkrankten Hüftgelenk zu gelangen, wird die Gelenkkapsel - das Bindegewebe rund um das Gelenk - teilweise entfernt. Der Hüftkopf wird mittels Operationsinstrument (elektrische oder druckluftbetriebenen Säge) vom Oberschenkelknochen abgetrennt und entfernt, damit die Gelenkpfanne gut einsehbar wird. Dadurch erhält der Arzt eine gute Sicht auf die Gelenkpfanne und kann mit der Präparation beginnen. 

Die Pfanne wird von erkranktem Kapsel- und Knorpelgewebe befreit und mit einer halbkugelförmigen Fräse so präpariert, dass gesundes Knochengewebe hervortritt. So kann eine feste Verankerung der künstlichen Pfanne gewährleistet werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorbereitung des Oberschenkels für das Implantat

Der Innenraum des Oberschenkelknochens (der sog. Markraum) wird anschliessend mit Formraspeln für die Implantation des Schaftes vorbereitet, damit dieser später exakt passt. Nach den letzten Raffelungen wird eine Testprothese eingesetzt. Sie dient dazu, die optimale Position und die genaue Grösse der endgültigen Implantate zu ermitteln; gleichzeitig dient sie zur Kontrolle, ob alle Bohrungen richtig gemacht worden sind. Dieser Schritt ist sehr wichtig und für die spätere Beweglichkeit und Stabilität des Gelenkes entscheidend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einsetzten der Prothese

 

Wenn alle Testungen für eine gute Beweglichkeit und Stabilität durchgeführt wurden, werden sämtliche Testimplantate entfernt und die tatsächlichen Komponenten implantiert. Je nach Knochenqualität und Begebenheiten werden die Implantate zementiert oder zementfrei verankert.


Nachdem Hüftpfanne und Schaft implantiert sind, erhält der Schaft den Prothesenkopf in zuvor bestimmter Grösse und Länge. Das Gelenk wird anschliessend reponiert (eingerenkt). Damit ist die bewegliche Verbindung zwischen Schaft und Pfanne geschaffen. Abschliessend erfolgt eine letzte Funktionskontrolle des Gelenkes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kontrolle mittels Röntgenbild

 

Am Ende der Operation werden allfällige Blutungen gestillt, selten müssen Drainageschläuche eingelegt werden. Anschliessend wird die Wunde schichtweise zugenäht und mit einem Kompressionsverband versehen.

Ein Röntgenbild gibt Auskunft darüber, wie die Prothese sitzt. Diese Aufnahme dient als Referenz für spätere Kontrollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(mit freundlicher Genehmigung Firma Mathys) 

Risiken und Komplikationen

eines künstlichen Hüftgelenkes

 

Die Hüftprothesenoperation ist ein Routineeingriff und eine der erfolgreichsten Operationen in der gesamten Medizin, der für Sie mit grösster Wahrscheinlichkeit komplikationslos ablaufen wird. Dennoch birgt jede Operation gewisse Risiken, die von der Operation selbst, der Narkose oder auch von ihrem Herz-Kreislauf ausgehen können.

 

Thrombose:

Das Entstehen eines Blutgerinsels in den tiefen Beinvenen ist ein Problem, das bei allen grösseren Operationen auftreten kann. Durch eine medikamentöse Prophylaxe mit Blutverdünnern, eine schnelle Mobilisation und andere Massnahmen können die Risiken gesenkt werden. Eine Thrombose kann im ungünstigsten Fall zu einer Lungenembolie führen, nämlich dann, wenn sich das Blutgerinnsel löst und über das Herz in die Lunge gespült wird.

 

Verletzungen von Blutgefässen und Nerven:

Diese sind durch die medizinischen Fortschritte und die umfangreichen Erfahrungen mit Hüftgelenkoperationen sehr selten. Dennoch können Nerven bei der Operation überdehnt werden. Daraus würde eine Zehen- und Fusslähmung resultieren. Die Erholung kann unterschiedlich lange andauern und ist nicht immer vollständig. Dann müsste eine spezielle Schuheinlage getragen werden.

 

Hämatom: 

Trotz den erwähnten Drainagen kann sich ein Bluterguss (Hämatom) bilden. Begünstigt wird dies durch blutverdünnende Medikamente zur Vorbeugung der Thrombosen. Allenfalls muss in einem solchen Fall die Naht nochmals geöffnet, die Blutungsquelle identifiziert und verödet sowie der Bluterguss entfernt werden.

 

Infektion:

Zu den gefürchtetsten Risiken beim Kunstgelenk gehört die Infektion. Durch die Gabe von Antibiotika vor und in manchen Fällen auch nach der Operation sowie durch die speziellen keimarmen aseptischen Operationssäle liegt die Infektionsrate bei ca. 1%. Trotz allen Vorsichtsmassnahmen muss 1 Patient auf 100 Patienten mit einer Infektion rechnen. Bakterien können während der Operation über Ihre Haut in die Tiefe gelangen. Eine gesunde und saubere Haut über dem Operationsgebiet ist uns wichtig. Nehmen Sie bitte vor dem Spitaleintritt oder am Abend vor dem Eingriff im Spital eine Dusche und waschen Sie Ihre Haut mit üblicher Seife. Eine Infektion ist für den Patienten sehr unangenehm und hat in der Regel weitere Operationen zur Folge. In gewissen Fällen muss die Hüftprothese entfernt und später wieder eingesetzt werden.

 

Verkalkungen: 

Selten kommt es zu Verkalkungen in der Muskulatur oder Gelenkkapsel. Diese können die durch die Operation erreichte Beweglichkeit im Verlauf wieder einschränken. Die Gabe von gewissen Medikamenten kann diesen Verkalkungen vorbeugen. Wenn ein erhöhtes Risiko für diese Verkalkungen besteht und gleichzeitig diese Medikamente aufgrund einer Unverträglichkeit oder ihrer Nebenwirkungen nicht gegeben werden können, so kann das Operationsgebiet vor der Operation bestrahlt werden.

 

Luxation: 

Beim Einsetzen des Kunstgelenkes wird die Gelenkkapsel eröffnet und dadurch geschwächt. Diese muss sich in den ersten Wochen nach der Operation wieder erholen, bzw. neu bilden. Bis dies geschehen ist, besteht die Möglichkeit der Hüftluxation. Dies ist selten und geschieht meist bei unkontrollierten Bewegungen oder infolge von Stürzen. Der Physiotherapeut, der Arzt und das Pflegepersonal werden Sie genau instruieren und Ihnen zeigen, welche Bewegungen problematisch sind. 

 

Lockerung: 

Nach 10 Jahren sind 95–99% der Prothesen noch fest und der Patient ist mit seinem Hüftgelenk zufrieden. Bei 1 – 5 Patienten von 100 Patienten ist möglicherweise eine Prothesenlockerung aufgetreten. Sollte es zu einer frühzeitigen Lockerung der Prothese kommen, wird ein Prothesenwechsel notwendig. Für diesen Fall stehen uns spezielle Kunstgelenke und Operationstechniken zur Verfügung.

 

Periprothetischer Knochenbruch:

Sollte es durch einen Sturz zu einem Bruch des Knochens im Bereich der Hüftgelenksprothese kommen, kann allenfalls eine Verplattung des Bruchs oder gar ein Prothesenwechsel notwendig sein.

 

Narkoserisiko:

Viele Patienten haben Angst vor dem Narkoserisiko. Die moderne Anästhesie hat einen sehr hohen Grad an Sicherheit erreicht, ein minimales Restrisiko bleibt jedoch immer bestehen. Ihr Narkosearzt wird Sie im Rahmen der präoperativen Anästhesiesprechstunde ausführlich darüber informieren und mit Ihnen gemeinsam die für Sie beste Narkoseart wählen.

Die Nachbehandlung

 

In den meisten Fällen darf der Patient bereits am Operationstag mit Unterstützung aufstehen und das operierte Bein schmerzabhängig voll belasten. In den folgenden Tagen lernt der Patient unter physiotherapeutischer Anleitung rasch selbständig zu gehen und die Alltagstätigkeiten durchzuführen. Wenn der Patient in der Lage ist, selbständig an Gehstöcken Treppen zu steigen, kann er entlassen werden. Dies ist in der Regel am 5- 7 Tag der Fall. Für 4-6 Wochen sollte er zum Gehen Unterarmgehstöcke verwenden. Für diesen Zeitraum sollte auch unbedingt eine Blutverdünnung zur Thromboseprophylaxe durch geführt werden.

Nach Entlassung wird die weitere Nachbehandlung wie Wundkontrolle und Entfernung des Nahtmaterials durch den Hausarzt oder den Arzt in der Kur- oder Rehaklinik durchgeführt. Wir bestellen den Patienten nach sechs und zwölf Wochen sowie nach einem Jahr zu einer Nachkontrolle ein.

Prognose und Langzeitverlauf

 

10 Jahre nach Implantation einer Hüfttotalprothese sind von 100 Prothesen noch 95 bis 99 fest und nach 20 Jahren funktionieren immer noch mehr als 80% der Hüftgelenke sehr gut. Die Lebensdauer einer Hüfttotalprothese kann je nach Knochenqualität und Beanspruchung auch länger dauern. Selten wird ein frühzeitiger Prothesenwechsel, aufgrund einer Lockerung, notwendig. Um eine Lockerung rechtzeitig zu erkennen, sind vor allem regelmässige Untersuchungen und Röntgenkontrollen erforderlich. Wird ein Wechsel rechtzeitig vorgenommen, sind die Einheilungschancen für das zweite künstliche Hüftgelenk deutlich besser, denn durch eine frühzeitige Operation kann eine Schädigung und Verlust des Knochens durch die gelockerte Prothese vermieden werden. Die Lockerung und die Auskugelung sind die grössten Langzeitproblem von künstlichen Gelenken.

Das künstliche Hüftgelenk

 
 
 

Abbildung 1, Teile einer Hüfttotalprothese

Abbildung 2, eingesetzte Hüfttotalprothese

Abbildung 3. Teile für eine Pfannenrevision

(mit freundlicher Genehminung von Zimmer)

Abbidlung 4. Teile für eine Schaftrevision 

(mit freundlicher Genehminung von Zimmer)

Abbildung 5, Hautschnitt

Abbildung 6, Stumpfes Eingehen zwischen zwei Muskeln, welche geschont werden

Abbildung 6, Entfernen des Oberschenkelkopfes

Abbidlung 7, Darstellung der Pfanne

Abbildung 8, Auffräsen der Pfanne

Abbildung 9, und Einsetzen der Pfanne

Abbildung 10, Darstellung des Oberschenkelknochens

Abbidlung 11, und Vorbereitung mit Raspeln für den Schaft

Abbildung 12, Einsetzten des definitiven Schaftes

Abbildung 13, und des Kopfes, welcher dann in die Pfanne hineinluxiert wird

Abbildung 14, Es resultiert eine sehr stabile Situation

Abbidlung 15, Wundverschluss

Abbildung 16, Röntgenbild am Ende der Operation