Hamstringsverletzung

Die konservative Therapie einer Hamstringsverletzung ist in der Akutphase eine Kompressionsbandage und sofortiges Kühlen (ca. 20 Minuten - alle 2 Stunden - nie Eis direkt auf der Haut!) empfohlen. Dies wirkt schmerzlindernd und kann die Einblutung sowie eventuelle Schwellungen bekämpfen. Auch wenn ein vorübergehendes Sportverbot / Pause eine allgemein anerkannte Regel ist, wird sie doch häufig nicht konsequent umgesetzt. Dabei besteht die Gefahr, dass die Verletzung noch schwerwiegender werden kann. Viele Sportler steigern nach einer Zerrung die Belastung zu schnell. Generell wird empfohlen die Leistung mit modifizierten Übungen (z.B. im Wasser) frühzeitig - aber immer im schmerzfreien Bereich (!) über 4-6 Wochen bis zur Vollbelastung zu steigern. Physiotherapeutische Maßnahmen mit Krankengymnastik und streng definiertes Krafttraining/Dehnungsübungen sind dabei sehr effektiv. Als begleitende Maßnahmen während und auch nach Abschluss der Rehabilitation werden Kinesiologie, Tapeverbände, Kompressions- und Wärmehosen oder auch Oberschenkel-Neoprenbandagen angewendet.

 

Bei der operativen Refixation der Hamstrings am Sitzbein wird der Patient unter Voll- oder Teilnarkose auf dem Operationstisch in Bauchlage gelagert, das Hüftgelenk und Kniegelenk leicht gebeugt. Durch einen kosmetisch günstigen horizontalen Hautschnitt wird unterhalb des grossen Gesässmuskels direkt bis auf das Sitzbein präpariert (Abbildung 1) . Dabei entleert sich meistens ein grosser Bluterguss. Die abgerissenen Sehen können in der Akutphase (innerhalb 3-4 Wochen) problemlos identifiziert und wieder nach oben gezogen werden (Abbildung 2). Während diesem Manöver muss der Ischiasnerv unbedingt geschont werden. Nach Anfrischen des Knochens am Sitzbein werden die abgerissenen Sehnen mit einem Fadenanker wieder am Knochen befestigt (Abbildung 3 und 4) und die verschiedenen Schichten wasserdicht verschlossen.   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Operation muss der Patient für die ersten 6-8 Wochen an Krücken gehen und darf das operierte Bein nur teilbelasten. Es sollten Positionen vermieden werden, welche einen starken Zug der referierten Sehnen am Sitzbein verursachen (gleichzeitige Hüftflexion und Kniestreckung). Die Hüft- und Kniegelenksbeweglichkeit wird für diese Zeit deshalb eingeschränkt (Sitzkeil und Knieschiene). Eine zunehmende Gewichtsbelastung und schrittweise Wiederherstellung der Hüft- und Kniebewegung ist 6-8 Wochen nach der Operation erlaubt. Aktive Dehnungsübungen und eine muskulärer Aufbau kann nach 3 Monaten mit leichtem Joggen und kurzen Sprints erfolgen. Mit sportspezifischen Übungen und Leistungssport kann in der Regel 6 Monate nach der Operationen begonnen werden. 

Abbildung 1

Abbildung 2

Abbildung 3

Abbildung 4